Herzlich willkommen

Rosazea, was ist das?
Der Name Rosazea beschreibt eine Haut-
krankheit, die über
raschend viele Menschen
betrifft. In Deutschland
leiden ca. fünf bis sieben
Prozent aller Erwachse-
nen darunter, aber nur
jeder Zehnte ist in
Behandlung! Mit einer
stadiengerechten Thera-
pie kann diese Erkran
kung bekämpft werden.

Ein angepasster Lebensstil
und eine frühe und regel-
mäßige dermatologische
Begleitung können diese
Hauterkrankung günstig
beeinflussen.
Die Deutsche ROSAZEA
Hilfe e.V. ist die erste
Selbsthilfeorganisation in
Deutschland, die dafür
gezielte Informationen
bieten kann. Wenn Sie
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unterstützen wollen,
sollten Sie Mitglied in der
Deutschen ROSAZEA
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Rosazea-Therapie

Leitlinien gibt es für die meisten bekannten Krankheiten. Mediziner können Ihre Therapiebemühungen darauf ausrichten, da eine Leitlinie nach neuesten Erkenntnissen und Erfahrungen von mehreren erfahrenen berufskolleginnen und -kollegen aufgestellt wird und in kürzeren Abständen auch aktualisiert wird.Auch Patienten können die Leitlinien als Gesprächsgrundlage mit Ihrem Dermatologen nutzen. Es wird hieraus auch ersichtlich, dass es Kommentare von Dermatologen wie: „Da kann man nichts machen“ oder „Damit müssen Sie leben“, „Andere haben Schlimmeres zu ertragen“ nicht geben darf. Solch einen medizinischen Offenbarungseid von Fachärzten sollten Sie auch ruhig der Kassenärztlichen Vereinigung in Ihrem Bundesland melden oder Ihre Krankenversicherung informieren.

6.1 Allgemeine Maßnahmen (Klövekorn)

Individuelle Provokationsfaktoren, so weit diese durch den Krankheitsverlauf erkennbar sind,sollten gemieden werden. Werden kosmetische Mittel angewandt, sollten diese wenigfetthaltig und gut verträglich sein [49]. Insbesondere ist auf einen geeigneten Schutz vor UVAund UVB Strahlung zu achten. Manchen Experten gelten physikalische Sonnenblocker(Titandioxid, Zinkoxid) als besonders verträglich. Reinigungsmittel sollten seifenfrei sein. DerPatient sollte Gesichtswasser oder andere Präparate, die Menthol, Kampfer,Natriumlaurylsulfat bzw. Adstringenzien enthalten, vermeiden. Wasserfeste Kosmetikasollten möglichst nicht verwendet werden. Auch wenn keine spezielle Rosazea-Diätempfohlen werden kann, sollten Faktoren vermieden werden, die zu einer Vasodilatation undFlushsymptomatik im Gesicht führen, z. B. Alkohol, scharf gewürzte Speisen und heißeGetränke. Aufgrund der erhöhten Empfindlichkeit der Haut bei Rosazeapatienten sollten aufaggressive Reinigungssubstanzen verzichtet werden. Auf Seifen ist zu verzichten, da diesealkalisch sind und den pH der Haut erhöhen. Eine pH-Anhebung kann zu Irritationen derHaut führen [50]. Die Anwendung von abdeckender Foundation/Make-up verschlechterteeine Rosazea nicht [51]. Durch die Anwendung dekorativer Kosmetik (Abdeckung) ist zudemein positiver Einfluss auf die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten zu erzielen.

6.2 Topische Therapie (Schöfer)

Eine topische Therapie ist für die Rosacea erythematosa-teleangiectatica und Rosaceapapulopustulosa in vielen Fällen ausreichend. Bei schweren Fällen wird sie mit einersystemischen Behandlung kombiniert (s. Kap. 6.3). In Deutschland sind für die topischeRosazeabehandlung Arzneimittel mit 0,75 % Metronidazol in unterschiedlichen Grundlagenund 15 % Azelainsäure in Gelform zugelassen. Weitere Topika werden bei der Rosazea imRahmen eines Off-label-use eingesetzt. Die verschiedenen Grundlagen (Gele, Emulsionenetc.) der Topika spielen für Verträglichkeit und die Wirksamkeit bei der meist besondersempfindlichen Haut der Rosazeapatienten neben den Wirkstoffen eine bedeutende Rolle.

Metronidazol

Metronidazol ist das am häufigsten angewendete und international verbreiteste, topischeRosazea-Medikament. Der Wirkmechanismus ist noch nicht völlig geklärt. Wahrscheinlich istein antiinflammatorischer oder immunsupprimierender Effekt für den therapeutischen Erfolgverantwortlich. Die Wirksamkeit wurde in mehreren Plazebo-kontrollierten Studiennachgewiesen und in einem Cochrane-Review zusammenfassend dargestellt [52]. Auch beieiner einmal täglichen Anwendung zeigte sich eine Wirkung auf Erytheme, Papeln undPusteln sowohl bei 0,75 %igen als auch bei 1 %igen Zubereitungen [53]. In Deutschlandstehen Topika mit 0,75% Metronidazol zur Verfügung (Creme, Gel, Lotio, Emulsion). Sieunterscheiden sich in ihrer Wirkung nicht maßgeblich voneinander [54]. Metronidazol zeigtesich in direkten Vergleichsstudien mit topischer Azelainsäure [55-57] gleich wirksam. GeringeUnterschiede in der Bewertung der Wirksamkeit durch Patienten bzw. Ärzte wurden alsklinisch nicht relevant eingestuft [56].

Azelainsäure

In Deutschland ist ein 15 %iges Gel, nicht aber die korrespondierende 20 %ige Creme zurTherapie der Rosazea (Rosacea papulopustulosa) zugelassen. Die Wirksamkeit wird aufeinen antiinflammatorischen Effekt und auf eine Normalisierung der Keratinisierungzurückgeführt. Es gibt Hinweise auf eine vergleichbare oder bessere Wirksamkeit bezüglichdes Ansprechens von Papeln und Pusteln beim Vergleich von Azelainsäure mit Metronidazol[52, 58].

Weitere Topika

Alternativ verwendet werden eine 5 %ige Permethrin Creme [25, 59], sowie 1 %igeClindamycin Zubereitungen [59, 60]. Der Vergleich von 5 %iger Permethrin-Creme mit 0,75%igem Metronidazol-Gel zeigte einen ähnlichen Effekt bezüglich der Reduktion von Papelnund Pusteln [25]. Clindamycin reduziert bei äußerer Anwendung (1%ig) die Zahl von Papeln,Pusteln und Knoten [61], sollte aber wie die anderen systemisch angewandten AntibiotikaErythromycin und Tetrazyklin zur Vermeidung von Resistenzentwicklungen undSensibilisierungen möglichst nicht topisch angewandt werden. Ebenfalls zu nennen sindtopische Retinoide, speziell Adapalen. Im Vergleich mit Metronidazol hatte Adapalen einebessere Wirkung auf entzündliche Läsionen, zeigte aber einen schlechteren Effekt bezüglichder Reduktion der Erytheme [62], bei womöglich verspätetem Wirkeintritt [63]. Im Gegensatzdazu deuteten die Ergebnisse einer Studie mit Retinaldehyd auf einen günstigen Einfluss aufdie vaskuläre Komponente hin. Erythem und Teleangiektasien konnten hier vermindertwerden [64]. Topische Anwendung der Calcineurininhibitoren Tacrolimus 0,03 oder 0,1%Salbe [65, 66] und Pimecrolimus 1% Creme [22, 67-70] zeigten eine gute Wirksamkeit in der Behandlung der Steroid-induzierten Rosazea. Die Anwendung von Tacrolimus beipapulopustulöser Rosazea bewirkte eine Verringerung des Erythems, hatte aber keinenEffekt auf papulopustulöse Läsionen [65]. Benzoylperoxid kann bei unempfindlichenPatienten zu einer Besserung des Hautbildes führen, allerdings zeigt es einen gegenteiligenEffekt bei empfindlicher Haut [66]. Es sind auch Kombinationspräparate mit Clindamycin undErythromycin zur Rosazeatherapie geprüft worden [71].

Topische Erhaltungstherapie

Die Rosazea hat als chronisch-entzündliche Gesichtsdermatose die Tendenz nach Absetzender Behandlung zu rezidivieren. Durch intensive systemische oder topisch/systemischeKombinationstherapie erreichte Verbesserungen des Hautzustandes können mittelstopischer Erhaltungstherapie über längere Zeit erhalten werden [72] zeigten, dass mittopischen Metronidazolpräparaten eine erfolgreiche Erhaltungstherapie durchgeführt werdenkann.

Ausblick für die topische Therapie

Zur Behandlung des bisher topisch nur schwer zu beeinflussenden Erythems (z.B. beiRosacea erythematosa und Rosacea teleangiectatica oder beim vaskulär vermitteltenErythem bei anderen Schweregraden der Rosazea) steht mit Brimonidin 1% in einerGelgrundlage ein symptomatisch wirksamer hochselektiver Alpha-2-Adrenorezeptor-Agonistvor der Zulassung, der nach einmal täglicher Anwendung zu einer effektivenlanganhaltenden Vasokonstriktion führt. Es wurden weder Tachyphylaxie- nochReboundphänomene der Erytheme beobachtet [73].Eine bessere Beeinflussung von Rosazea-assoziierten Teleangiektasien und Erythemenwurde auch durch die Anwendung von Metronidazol in einer neuartigen w/o Mikroemulsionbeschrieben (Split-Face-Studie [74])Brimonidin Gel und Metronidazol in einer Mikroemulsion sind zur Zeit der Erstellung dieserLeitlinie in klinischer Prüfung und noch nicht zugelassen.

Literatur

49. Kerscher M, Reuther T. Der Fluch der Kelten – kosmetische Aspekte bei der Rosazea. In: Rosazea. Klinik und aktuelle Therapie. Schöfer H (Hrsg) Stuttgart, Georg Thieme Verlag, 2003, S 67 - 72.50. Borelli C, Korting HC. [Non-pharmacologic management of rosacea]. Hautarzt. 2011; 62: 828-33.51. Draelos ZD, Colon LE, Preston N, et al. The appearance of facial foundation cosmetics applied after metronidazole gel 1%. Cutis. 2011; 87: 251-9.52. van Zuuren EJ, Kramer SF, Carter BR, et al. Effective and evidence-based management strategies for rosacea: summary of a Cochrane systematic review. Br J Dermatol. 2011; 165: 760-81.53. Dahl MV, Jarratt M, Kaplan D, et al. Once-daily topical metronidazole cream formulations in the treatment of the papules and pustules of rosacea. J Am Acad Dermatol.2001; 45: 723-30.54. Yoo J, Reid DC, Kimball AB. Metronidazole in the treatment of rosacea: do formulation, dosing, and concentration matter? J Drugs Dermatol 2006; 5: 317-9.55. Maddin S. A comparison of topical azelaic acid 20% cream and topical metronidazole0.75% cream in the treatment of patients with papulopustular rosacea. J Am Acad Dermatol.1999; 40: 961-5.56. Elewski BE, Fleischer AB, Jr., Pariser DM. A comparison of 15% azelaic acid gel and 0.75% metronidazole gel in the topical treatment of papulopustular rosacea: results of a randomized trial. Arch Dermatol. 2003; 139: 1444-50.57. Wolf JE, Jr., Kerrouche N, Arsonnaud S. Efficacy and safety of once-daily metronidazole 1% gel compared with twice-daily azelaic acid 15% gel in the treatment of rosacea. Cutis. 2006; 77: 3-11.58. Del Rosso JQ, Bhatia N. Azelaic acid gel 15% in the management of papulopustularrosacea: a status report on available efficacy data and clinical application. Cutis. 2011; 88:67-72.59. Signore RJ. A pilot study of 5 percent permethrin cream versus 0.75 percent metronidazole gel in acne rosacea. Cutis 1995; 56: 177-9.60. Del Rosso JQ. Medical treatment of rosacea with emphasis on topical therapies. Expert Opin Pharmacother. 2004; 5: 5-13.61. Wilkin JK, DeWitt S. Treatment of rosacea: topical clindamycin versus oral tetracycline. Int J Dermatol. 1993; 32: 65-7.62. Altinyazar HC, Koca R, Tekin NS, Esturk E. Adapalene vs. metronidazole gel for the treatment of rosacea. Int J Dermatol. 2005; 44: 252-5.63. Korting HC, Schollmann C. Current topical and systemic approaches to treatment of rosacea. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2009; 23: 876-82.64. Vienne MP, Ochando N, Borrel MT, et al. Retinaldehyde alleviates rosacea. Dermatology. 1999; 199 Suppl 1: 53-6.65. Bamford JT, Elliott BA, Haller IV. Tacrolimus effect on rosacea. J Am Acad Dermatol. 2004; 50: 107-8.66. Pelle MT, Crawford GH, James WD. Rosacea: II. Therapy. J Am Acad Dermatol. 2004; 51: 499-512; quiz 13-4.67. Chu CY. The use of 1% pimecrolimus cream for the treatment of steroid-induced rosacea. Br J Dermatol. 2005; 152: 396-9.68. Cunha PR, Rossi AB. Pimecrolimus cream 1% is effective in a case of granulomatous rosacea. Acta Derm Venereol. 2006; 86: 71-2.69. Koca R, Altinyazar HC, Ankarali H, et al. A comparison of metronidazole 1% cream and pimecrolimus 1% cream in the treatment of patients with papulopustular rosacea: a randomized open-label clinical trial. Clin Exp Dermatol. 2010; 35: 251-6.70. Kim MB, Kim GW, Park HJ, et al. Pimecrolimus 1% cream for the treatment of rosacea. J Dermatol. 2011; 38: 1135-9.71. Ozturkcan S, Ermertcan AT, Sahin MT, Afsar FS. Efficiency of benzoyl peroxideerythromycingel in comparison with metronidazole gel in the treatment of acne rosacea. J Dermatol. 2004; 31: 610-7.72. Dahl MV, Katz HI, Krueger GG,et al. Topical metronidazole maintains remissions of rosacea. Arch Dermatol. 1998; 134: 679-83.73. Fowler J, Jarratt M, Moore A, et al. Brimonidine Phase IISG. Once-daily topical brimonidine tartrate gel 0.5% is a novel treatment for moderate to severe facial erythema of rosacea: results of two multicentre, randomized and vehicle-controlled studies. Br J Dermatol. 2012; 166: 633-41.74. Tirnaksiz F, Kayis A, Celebi N, et al. Preparation and evaluation of topical microemulsion system containing metronidazole for remission in rosacea. Chem Pharm Bull. 2012; 60: 583-92.

Quelle: 013/065 Leitlinie Rosazea aktueller Stand: 03/2013

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